Unsere Fragen an den Projektbetreiber

Die Bürgerinitiative setzt auf Offenheit und Transparenz. Daher stellten wir untenstehende Fragen an den Projektbetreiber und avisierten die Veröffentlichung der Antworten auf dieser Seite. 

Am 23.9.2026 wurden die Fragen durch die Elektrizitätswerke Reutte AG (kurz EWR) beantwortet. Wir bedanken uns dafür und veröffentlichen die Antworten untenstehend, jeweils ergänzt um unsere Meinung zu den Antworten.

Insgesamt wirken die EWR-Antworten auf uns nicht beruhigend, sondern bestätigen vielmehr unsere Sorgen und Befürchtungen.

Unter Berücksichtigung der EWR-Antworten fürchten wir vor allem, dass unser ökologisch und landschaftlich besonders wertvoller Dorfbach dauerhaft zu einem "Restwasserbach" verkommt. Aus unserer Sicht soll der Bach für einen begrenzten zusätzlichen energiewirtschaftlichen Nutzen geopfert werden, der anderweitig relativ einfach auf Basis naturverträglicher Alternativen erreicht werden könnte. Dazu zählen Energieeffizienz, Photovoltaik auf bereits versiegelten Flächen, Speicherlösungen und mehr. Zugleich sehen wir die Gefahr eines Präzedenzfalls: Wenn die Ableitung des Namlosbaches trotz seiner ökologischen und landschaftlichen Bedeutung mitten im Natura-2000-Gebiet ermöglicht wird, könnte dies weiteren Eingriffen in die letzten naturnahen Gewässer und Seitenbäche des Lechtals den Weg bereiten.

Die Fragen und Antworten lassen sich durch Anklicken des + Zeichens öffnen:

Restwasser in Stanzach?

Frage der BI: Im August 2026 wurde an der Messstelle Stanzach wiederholt ein Wasserstand von 30 cm angegeben. Tatsächlich sind es ca. 20 cm, da der Nullpunkt ca. 10 cm tief im Schotter liegt (PNP). Wie der Sommer 2026 zeigt, versiegen in Niederwasserphasen die Zubringer unterhalb der Entnahmestelle nahezu. Diese Faktoren berücksichtigend: Wieviel von diesen 20 cm bleiben bei Niederwasser im August an der Messstation Stanzach nach der geplanten Ableitung übrig?

Antwort EWR: Eine seriöse Umrechnung in verbleibende Zentimeter ist nicht möglich; entscheidend ist die Abflussmenge in l/s bzw. m³/s. In Stanzach verbleiben im Jahresmittel ca. 50 % des Wasserdargebots im Namlosbach. Im August gilt zB. an der Wasserfassung zusätzlich ein Sockelbetrag von 300 l/s: Wird dieser erreicht bzw. unterschritten, wird kein Wasser eingezogen und 100 % des ankommenden Wassers bleiben im Bach.

DETAILS ZU ANTWORT 1): Das Projekt sieht vor, dass an der Brücke in Stanzach ca. 50 % des Wasserdargebots im Namlosbach verbleiben. An der geplanten Wasserfassung sind neben einer dynamischen Wasserabgabe jahreszeitlich abhängige Sockelbeträge vorgesehen. Wird ein Sockelbetrag erreicht, wird die Wasserfassung außer Betrieb genommen. Im August beträgt dieser Sockelbetrag z.B. 300 l/s. Wenn der natürliche Zufluss also 300l/s beträgt, wird an der Wasserfassung kein Wasser eingezogen und das gesamte ankommende Wasser verbleibt im Namlosbach (100 % im Bach).

Die Frage zu den Pegelständen lässt sich nicht seriös mit einer bestimmten verbleibenden Wasserhöhe in Zentimeter beantworten. In der Hydrologie werden für diese Beurteilung die tatsächlichen Abflussmengen in m3/s bzw. l/s herangezogen. Der Wasserstand in Zentimeter hängt unter anderem vom jeweiligen Gewässerprofil ab.

Zur angesprochenen Messstelle ist festzuhalten: Die Messstelle Stanzach ist redundant aufgebaut. Neben der Pegelsonde werden eine Radarsonde in Kombination mit einer Ultraschallsonde eingesetzt. Für die hydrologische Beurteilung werden die Abflusswerte in m3/s herangezogen. Die Messdaten werden vom hydrologischen Dienst Tirol geprüft. Diese Daten sind über eHYD, den öffentlichen Zugang zu hydrographischen Daten Österreichs, transparent einsehbar. Für die Projektplanung greift EWR damit auf plausibilisierte hydrologische Datengrundlage zurück.

Unsere Meinung: Die eigentliche Frage ist nicht beantwortet.

Soweit wir informiert sind, verfügt das EWR zumindest seit 2025 auch über eine Messstelle unmittelbar oberhalb der geplanten Entnahmestelle. Stimmt dies, wäre die Frage zumindest auf Basis der Liter pro Sekunde einfach zu beantworten, z.B. In der Niederwasserphase im August wurden oberhalb der geplanten Entnahmestelle 1.250 l/s gemessen, an der Messstelle in Stanzach wurden zum gleichen Zeitpunkt 1.150 l/s gemessen (Versickerungseffekt bei nahezu augetrockneten Zubringern unterhalb der Entnahmestelle). Würden wir die geplante Entnahme vornehmen, so verblieben in diesem Fall 300 l/s im Bachbett. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass an der Messstelle Stanzach 200 l/s gemessen würden.

Oder umgekehrt: In der Niederwasserphase im August wurden oberhalb der geplanten Entnahmestelle 1.250 l/s gemessen, an der Messstelle in Stanzach wurden zum gleichen Zeitpunkt 1.350 l/s gemessen (Effekt der Zubringer unterhalb der Entnanhmestelle). Würden wir die geplante Entnahme vornehmen, so verblieben in diesem Fall 300 l/s im Bachbett. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass an der Messstelle Stanzach 400 l/s gemessen würden.

Wieviel Wasser fließt unmittelbar nach der Entnahmestelle im alten Bachbett?

Frage der BI: Sie sagten öffentlich mehrmals und haben dies bei späteren Pressemitteilungen nie korrigiert, dass sie lediglich „50 Prozent des Namlosbaches in die Kraftwerkskette Plansee überleiten wollen“ (z.B. Tiroler Tageszeitung 25.07.2025). Der WWF sagt, tatsächlich würden an der Ausleitungsstelle bis zu 80% des Namlosbaches in den Stollen übergeleitet und nur 20% an Restwasser verbleiben. Wieviel Prozent der ankommenden Wassermenge soll an der Ausleitungsstelle tatsächlich jahresdurchgängig in den neuen Stollen übergeleitet werden und welche Restwassermenge in m3/s ist für die Ausleitungsstrecke garantiert (speziell in den Wintermonaten)? 

Antwort EWR: An der Wasserfassung verbleiben ganzjährig mindestens 20 % des ankommenden Wassers im Namlosbach; zusätzlich gelten je nach Jahreszeit Sockelbeträge von 250 bis 600 l/s. Ist der natürliche Zufluss geringer als der jeweilige Sockelbetrag, wird kein Wasser eingezogen. Durch das 20,7 km² große Zwischeneinzugsgebiet steigt die Wasserführung bis Stanzach wieder an: Dort verbleiben im Jahresmittel ca. 50 %, im Winter bis zu 70 % des Wasserdargebots. Dabei handelt es sich um den eingereichten Dotierwasservorschlag, der von der Behörde geprüft wird.

DETAILS ZU ANTWORT 2): Hier müssen zwei unterschiedliche Bezugspunkte als Messstellen auseinandergehalten werden: die geplante Wasserfassung unterhalb von Namlos, und die Brücke in Stanzach. Die von den EWR kommunizierten ca. 50 % beziehen sich auf die Wassermenge, die im Jahresmittel an der Brücke in Stanzach im Namlosbach verbleibt.  Dazu wurden Foto- und Videoaufnahmen mit den jeweiligen Pegelwerten erstellt und in Vorher-Nachher-Vergleichen gegenübergestellt, um die Unterschiede auch visuell nachvollziehbar zu machen.

An der geplanten Wasserfassung ist die Entnahme dynamisch vom tatsächlichen Zufluss abhängig und somit jede Stunde unterschiedlich: Der eingereichte Dotierwasservorschlag sieht vor, dass jahresdurchgängig mindestens 20 % der ankommenden Wassermenge am Standort Wasserfassung im Namlosbach verbleiben. Zusätzlich gelten jahreszeitlich abhängige Sockelbeträge an der Wasserfassung: mindestens 250 l/s von Oktober bis März, 300 l/s im April, August und September sowie 600 l/s von Mai bis Juli. Ist der natürliche Zufluss zur Wasserfassung geringer als der jeweils vorgesehene Sockelbetrag, wird an der Wasserfassung kein Wasser eingezogen und das gesamte ankommende Wasser verbleibt im Namlosbach.

Die Restwassermenge wird damit an den natürlichen jährlichen Abfluss des Namlosbaches angepasst. Um die natürliche Dynamik des Namlosbaches aufrechtzuerhalten, verbleiben zudem auch gewässerbettbildende Hochwässer im Namlosbach. Als Grundlage für den Dotierwasservorschlag wurden neben der Qualitätszielverordnung Ökologie OG (§ 13) auch die hydrologischen Verhältnisse im Namlosbach herangezogen.

Entscheidend ist zudem die Betrachtung des gesamten Gewässerverlaufs: Was an der Wasserfassung prozentual hoch erscheint, relativiert sich entlang des Namlosbaches aufgrund des sehr großen Zwischeneinzugsgebiets von rund 20,7 km² deutlich. Zwischen der Wasserfassung und Stanzach vergrößert sich daher die Wassermenge im Namlosbach wieder. Im Jahresmittel verbleiben deshalb an der Brücke in Stanzach ca. 50 % des Wasserdargebots im Namlosbach.

Für die speziell angesprochenen Wintermonate Oktober bis März sieht der eingereichte Dotierwasservorschlag an der Wasserfassung hohe Sockelbeträge von mindestens 250 l/s bzw. 0,25 m3/s vor. Dadurch erhöht sich das in Stanzach verbleibende Wasser im Winter auf bis zu 70%. Festzuhalten ist, dass es sich dabei um den von EWR eingereichten Dotierwasservorschlag handelt, der im Genehmigungsverfahren von der zuständigen Behörde geprüft wird. 

Unsere Meinung: Hier wird bestätigt, dass an der Ausleitungsstelle jahresdurchgängig 80% des Namlosbaches abgeleitet werden sollen.

Ansonsten verweisen wir auf den Faktencheck unter Aktuelles und auf die Grafik unter Projekt. Diese Grafik verdeutlicht, welche Restwassermenge nach Umsetzung des geplanten Projektes in Stanzach ankommen würde.

Der Namlosbach als Bauernopfer

Frage der BI: Sie sind gem. NGP 2021 ab 2027 verpflichtet, Restwasser am Liegfeistbach, Rotlech und Archbach abzugeben und zwar zumindest im Umfang des niedersten natürlichen Tagesniederwasser (NQt). Wir gehen davon aus, dass Sie an diese drei Bäche in Summe mehr als 1 m3/s Restwasser abzugeben haben. In den typischen Niederwasserphasen JAN-MÄRZ und OKT-DEZ würden Sie durchschnittlich ca. 1,25 m3/s in den Rotlechspeicher ableiten (Datengrundlage Hydro Tirol 2022). Was antworten Sie, wenn Ihnen vorgeworfen wird, dass die Ableitung des Namlosbaches in erster Linie dem Ausgleich Ihres Verlustes dienen soll, der Namlosbach also ein „Bauernopfer“ ist?

Antwort EWR: Nein, der Namlosbach ist kein „Bauernopfer“, sondern Kern des Projekts. Aktuell besteht keine wasserrechtliche Verpflichtung der EWR zur zusätzlichen Restwasserabgabe am Rotlech oder Archbach. Durch die Beileitung des Namlosbaches entstehen ca. 25 GWh zusätzliche erneuerbare und speicherbare Energie pro Jahr. Die vorgesehenen Restwasserabgaben und die daraus entstehenden Mindererzeugungen sind in dieser Energiebilanz bereits berücksichtigt.

DETAILS ZU ANTWORT 3) Nein, der Namlosbach ist kein „Bauernopfer“ sondern Kern des Projekts. Es gibt aktuell keine wasserrechtliche Verpflichtung für die EWR zur Abgabe von zusätzlichem Restwasser – weder am Rotlech noch am Archbach. Der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan ist ein Planungsinstrument. Die im Rahmen des Projekts vorgesehenen Dotierungen sind vorausschauend geplante Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung der bestehenden Kraftwerkskette.

Der Namlosbach ist daher auch kein „Bauernopfer“, um verpflichtende Wasserverluste an anderer Stelle auszugleichen. Kern des Projekts ist die zusätzliche Erzeugung von ca. 25 GWh erneuerbarer und speicherbarer Energie pro Jahr. In dieser Berechnung sind die vorgesehenen Restwasserabgaben und die daraus entstehenden Mindererzeugungen bereits berücksichtigt. Die Mindererzeugung bei den bestehenden Kraftwerken Reutte und Höfen beträgt 0,168 GWh und ist ebenfalls bereits abgezogen.

Gleichzeitig werden mit dem Gesamtprojekt ökologische Verbesserungen an bestehenden Gewässerstrecken umgesetzt. Die dafür vorgesehenen Dotierwassermengen wurden auf Basis der Qualitätszielverordnung Ökologie Oberflächegewässer, der hydrologischen Verhältnisse sowie entsprechender Untersuchungen und Dotationsversuche entwickelt. 

Die Darstellung, der Namlosbach werde hauptsächlich dazu herangezogen, verpflichtende Wasserverluste an anderen Gewässern auszugleichen, entspricht damit nicht den Grundlagen und der Energiebilanz des eingereichten Projekts.

Unsere Meinung: Die Frage ist nur teilweise beantwortet. Unsere "Bauern-Opfer" Theorie wird durch die Antworten nicht beseitigt. Klarstellend sei hier nochmals erwähnt: Der nationale Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) schreibt vor, dass die EWR AG am Liegfeistbach, Rotlech und Archbach ab Mai 2025 Restwasser abgeben muss. Insofern ist schwer erkennbar, dass hier "vorausschauend geplante Maßnahmen" existieren. Vielmehr ist die EWR AG - die Umsetzung des NGP betreffend - eher deutlich im Verzug.

Die EWR AG schreibt oben: "Durch die Beileitung des Namlosbaches entstehen ca. 25 GWh zusätzliche erneuerbare und speicherbare Energie pro Jahr. Die vorgesehenen Restwasserabgaben und die daraus entstehenden Mindererzeugungen sind in dieser Energiebilanz bereits berücksichtigt."

Laut Berechnung externer Experten haben die Fachleute der EWR AG scheinbar jedoch übersehen, dass die Restwassermenge für Rotlech und Liegfeist nicht für die Kraftwerkskette Plansee zur Verfügung steht. Stimmt dies, so reduzieren sich die kolportierten 25 GWh auf 21 GWh! Gerne erwarten wir hierzu ergänzende Informationen der EWR AG.

Welche zusätzliche Menge an Strom würde die Ableitung des Namlosbaches konkret bringen?

Frage der BI: Sie argumentieren öffentlich, dass „… das Wasser des Namlosbaches zusätzliche 25 Gigawattstunden Strom bringen“ könnte (Tiroler Tageszeitung 25.07.2025 und Ihre eigene Präsentation auf der Folie mit Überschrift „Eckpunkte Optimierung Rotlech“ vom 24.07.2025).

  1. Am Ende des Stollens vom Namlosbach zum Liegfeistbach soll ein neues Kraftwerk mit lediglich 1,7 MW/h an Engpassleistung entstehen.
  2. Danach dient der Namlosbach als Spender für die nun gesetzlich vorgeschriebene Restwasserabgabe an Rotlech, Liegfeistbach und Archbach (Tiroler Tageszeitung 25.07.2025: „Erstmals würde als ökologische Spende der Rotlechunterlauf, unterhalb der Staumauer, mit Wasser aus dem Namlosbach dotiert werden.“)
  3. Die Aussage, dass durch die Umleitung des Namlosbaches 25 GW/h an zusätzlichem Strom erzeugt werden, stimmt wohl nicht. Erstens kommt ein großer Teil der genannten 25 GW/h aus der Modernisierung der bestehenden Plansee-Kraftwerkskette und zweitens wird der Namlosbach bereits jetzt fünfmal für Stromerzeugung genutzt (KW Höfen, KW Reutte I und Reutte II, KW Kniepass und KW Weißhaus). Drei bisherige Nutzungen würden durch die Umleitung des Namlosbaches verloren gehen (KW Höfen, KW Reutte I/II)!
  4. Daher unsere Fragen: Wieviel der kolportierten 25 GW/h kommen aus der Optimierung der Kraftwerkskette und zwar ohne Namlosbach? Wieviel an bestehender Stromerzeugung verlieren Sie dadurch, dass der Namlosbach in den KWs Höfen, Reutte I und II nicht mehr für die Stromerzeugung genutzt werden könnte?

Die beiden Zahlen müssten dann addiert werden und von den 25 GW/h abgezogen werden. Das wäre dann der theoretisch tatsächliche  „Stromproduktions-Grenznutzen“ der Ableitung des Namlosbaches, wobei er tatsächlich mit einem erheblichen Anteil für die Restwasserabgabe verwendet wird. 

Antwort EWR: Die Engpassleistung des neuen Zwischenkraftwerks Liegfeist beträgt 1,7 MW. Das Wasser des Namlosbaches wird anschließend in den weiteren Kraftwerksstufen erneut energetisch genutzt. Über die gesamte Kraftwerkskette entstehen dadurch ca. 25 GWh zusätzliche erneuerbare und speicherbare Energie pro Jahr. Ohne Beileitung des Namlosbaches steht keine zusätzliche Energie in den Speichern zur Verfügung.

 
 
DETAILS ZU ANTWORT 4d): Die Mindererzeugung bei der Kraftwerksanlage Reutte, also KW Reutte + KW Höfen, beträgt 0,168 GWh. Diese Mindererzeugung ist bei den ca. 25 GWh bereits berücksichtigt und abgezogen. Sie darf daher nicht nochmals von den ca. 25 GWh abgezogen werden. Der geringe Beitrag zur Stromerzeugung beim KW Reutte zeigt auch die minimale Auswirkung der Wasserentnahme am Lech.
 

Unsere Meinung: Die Antwort erhöht die Transparenz. Die 25 GWh stimmen jedoch vermutlich nicht (siehe bei "Der Namlosbach als Bauernopfer").

Erfüllung Verbesserungsgebot der EU-WRRL?

Frage der BI: Der Gewässerzustand im unteren Abschnitt des Namlosbaches wird als „mäßig“ eingestuft und muss sich laut EU-Wasserrahmenrichtlinie und NGP2021 zeitnah in Richtung „gut“ verbessern (Verbesserungsgebot). Wie soll eine Verbesserung in Richtung guter Zustand erreicht werden, wenn das EWR einige Kilometer oberhalb dieser Zone den Bach großteils ableitet?

Antwort EWR: Der mäßige ökologische Zustand des Namlosbachs im Unterlauf ist auf die bestehende harte Verbauung zum Hochwasserschutz und ein künstliches Wanderhindernis im Mündungsbereich zurückzuführen – nicht auf das geplante Projekt. Entscheidend für das Erreichen des guten ökologischen Zustands sind insbesondere die Durchgängigkeit und die Vernetzung mit dem Lech. Diese Verbesserungsmaßnahmen werden durch das Projekt nicht verhindert und sind derzeit durch das Wasserbauamt in Planung.

DETAILS ZU ANTWORT 5): Das Vorhaben steht nicht im Widerspruch zum Verbesserungsgebot laut Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und § 30a WRG 1959. Die zur Erreichung der Bewirtschaftungsziele vorgesehenen Maßnahmen werden durch das Projekt nicht behindert. 

Aktuelle gewässerökologische Untersuchungen aus den Jahren 2024/2025 zeigen für den Detailwasserkörper DWK 301650003, in der Fragestellung als unterer Abschnitt des Namlosbaches bezeichnet, einen mäßigen ökologischen Zustand aufgrund der Qualitätskomponente Fische. 

Entscheidend ist dabei die Ursache für diesen mäßigen Zustand: Der mäßige fischökologische Zustand ist auf die stark verbaute Fließstrecke im Unterlauf, die dem Hochwasserschutz dient, sowie auf ein künstliches Wanderhindernis im Mündungsbereich zurückzuführen. Die geplante Beileitung des Namlosbaches ist nicht die Ursache für diese bestehende Einstufung und verhindert auch die erforderlichen Verbesserungsmaßnahmen nicht.

Für die Erreichung des guten ökologischen Zielzustandes sind insbesondere die Durchgängigkeit und die Vernetzung mit dem Lech entscheidend. Durch eine entsprechende Verbesserung können sich die Parameter Durchgängigkeit und Fische um eine Zustandsklasse verbessern und damit die Erreichung des guten ökologischen Zielzustandes ermöglichen. 

Eine Auflösung der harten Verbauung im Ortsbereich ist aufgrund ihrer Funktion für den Hochwasserschutz nicht möglich. Umso entscheidender ist es, dort anzusetzen, wo eine ökologische Verbesserung möglich ist – insbesondere bei der Durchgängigkeit und der Anbindung an den Lech. Diese Maßnahmen werden durch das Projekt nicht verhindert, und sind derzeit auch in Planung durch das Wasserbauamt.

Unsere Meinung: Frage ausreichend beantwortet.

Erfüllung Verschlechterungs-Verbot der EU-WRRL?

Frage der BI: Der Gewässerzustand im Oberlauf des Namlosbaches ist als „sehr gut“ eingestuft. Sie versprechen: „Der sehr gute Zustand des Namloser Bach wird nicht verschlechtert, er wird beibehalten“ (Rundschau 11.3.2026). Der Begriff „Verschlechterung“ gem. EU-WRRL ist in diesem Zusammenhang eindeutig definiert:

Eine Verschlechterung tritt bereits ein, sobald sich zumindest eine der zwölf Qualitätskomponenten (Fische, Makrozoobenthos, Makrophyten, Phytobenthos, Wasserhaushalt, Durchgängigkeit, Morphologie, Temperatur, Sauerstoffhaushalt, Versäuerung, Nährstoffe, Schadstoffe) um eine Klasse verschlechtert, auch wenn diese Verschlechterung nicht zu einer Verschlechterung der Einstufung des Oberflächengewässers führt (Quelle: Schreiben des BMLFUW-UW.4.1.2/0036-IV/1/2015 vom 01.10.2016 auf Grundlage des EuGH-Urteils 461/13).

Wie begründen und garantieren die von Ihnen bezahlten Gutachter konkret, dass sich im derzeit als „sehr gut“ eingestuften Abschnitt des Namlosbaches keine einzige der zwölf Qualitätskomponenten auch nur um eine Stufe verschlechtert?

Antwort EWR: Aktuelle Untersuchungen stufen den betroffenen Detailwasserkörper nicht als „sehr gut“, sondern als „gut“ ein. Die untersuchten biologischen Zustandsklassen werden durch das Projekt nicht verschlechtert. Der Wasserhaushalt verändert sich durch die Beileitung, weshalb ein ganzjähriger Basisabfluss vorgesehen ist. Die abschließende Beurteilung, ob sämtliche rechtlichen Anforderungen erfüllt sind, erfolgt durch die zuständige Behörde und deren Sachverständige.

DETAILS ZU ANTWORT 5): Selbstverständlich werden die von EWR beauftragten Fachgutachter auch von EWR nach ihren Leistungen bezahlt – genauso wie auch Sie die von Ihnen beauftragten Dienstleister bezahlen. Entscheidend ist nicht, wer eine Untersuchung bezahlt, sondern ob sie fachlich nachvollziehbar und belastbar ist. Genau das wird im Genehmigungsverfahren von den Sachverständigen der zuständigen Behörde geprüft. Wir garantieren und versprechen daher nicht, sondern untersuchen und erheben die Zustände anhand von Leitfäden. Die Vollständigkeit und Plausibilität der Untersuchungen werden von den Sachverständigen der Behörde geprüft. Die abschließende Beurteilung der Genehmigungsfähigkeit erfolgt durch die zuständige Behörde. 

Auch die Aussage in der Frage, der betroffene Teil des Namlosbaches befinde sich in einem „sehr guten“ ökologischen Zustand, entspricht nicht den aktuellen Untersuchungsergebnissen. Die gewässerökologischen Untersuchungen 2024/2025 zeigen für den Detailwasserkörper DWK 301650005 einen guten ökologischen Zustand. Ausschlaggebend dafür ist die Qualitätskomponente Phytobenthos (pflanzliche Organismen im Gewässer).

Die relevanten biologischen Qualitätskomponenten wurden nach den entsprechenden Leitfäden des Bundesministeriums für Land-Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) und den Vorgaben der Qualitätszielverordnung Ökologie Oberflächengewässer untersucht. Die Ergebnisse zeigen für Phytobenthos einen guten Zustand und für Makrozoobenthos einen sehr guten Zustand; bei den Fischen bleibt die Zustandsklasse erhalten. Nach den vorliegenden Untersuchungen kommt es damit zu keiner Verschlechterung der biologischen Zustandsklassen. Auch bei den allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten werden keine Veränderungen erwartet. 

Richtig ist, dass sich durch die geplante Beileitung der Wasserhaushalt verändert, weil Wasser entnommen wird. Durch das Projekt entsteht eine Ausleitungsstrecke. Die vorgesehene Dotation stellt jedoch einen ganzjährigen Basisabfluss entsprechend den Vorgaben der Qualitätszielverordnung Ökologie Oberflächengewässer sicher. Die Auswirkungen dieser Veränderung wurden im Rahmen der fachlichen Untersuchungen betrachtet und sind Gegenstand der Prüfung durch die zuständige Behörde und deren Sachverständige.

Ob das Vorhaben den rechtlichen und fachlichen Anforderungen des Verschlechterungsverbotes entspricht, wird damit nicht von den EWR oder den von den EWR beauftragten Gutachtern entschieden. Diese Beurteilung erfolgt im Genehmigungsverfahren durch die zuständige Behörde auf Grundlage der eingereichten Untersuchungen und der Prüfung durch die Sachverständigen. 

Unsere Meinung: Frage ist ausreichend beantwortet. Wir vertrauen ebenfalls dem Prüfungsurteil der zuständigen Behörde.

Unser Eindruck: Die EWR AG will den IST-Zustand im Oberlauf auf "gut" abwerten und hoffen über diesen Winkelzug aus der Schlinge des "Verschlechterungsverbots" zu schlüpfen. Siehe Schreiben des BMLFUW-UW.4.1.2/0036-IV/1/2015 vom 01.10.2016 Seite 7-9.

Beeinträchtigung Erhaltungsziele Natura 2000 Gebiet?

Frage der BI: Im Ausleitungsgebiet des Namlosbaches findet sich das stärkste Tiroler Aufkommen der streng geschützten Deutschen Tamariske. Im Juli 2026 wurde das Kraftwerksprojekt Haslach (Osttirol) vom Land Tirol und vom Landesverwaltungsgericht mit folgender Begründung abgelehnt: Bei Umsetzung ist eine Beeinträchtigung des Natura 2000 Gebietes und seines Erhaltungszieles zu erwarten bzw. kann dies nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden. Konkret gehe es etwa um den Schutz alpiner Flüsse mit einer speziellen Uferpflanze, der Deutschen Tamariske (orf.at).

Nach Art. 6 Abs. 3 FFH-RL und der dazu ergangenen EuGH-Rechtsprechung sind in diesem Fall vollständige, präzise und endgültige wissenschaftliche Feststellungen erforderlich, die geeignet sind, jeden vernünftigen wissenschaftlichen Zweifel hinsichtlich einer Beeinträchtigung auszuräumen.

Wurde der EuGH-Test in o.a. Sinne erfüllt und  können sie daher mit ausreichender Sicherheit ausschließen, dass es durch die Ableitung des Namlosbaches keine Beeinträchtigung des Natura-2000-Gebietes betreffend Deutsche Tamariske oder anderer Erhaltungsziele des Natura-2000-Gebietes gibt?

Antwort EWR: In der Ausleitungsstrecke des Namlosbaches wurde der Lebensraumtyp der Deutschen Tamariske nicht nachgewiesen; entsprechende Vorkommen befinden sich flussabwärts am Lech. Dort beträgt die modellierte Abflussreduktion ca. 0,96 % bei NQt und maximal ca. 2,96 % beim sommerlichen Mittelwasser. Bei Hochwasserereignissen mit hohem Geschiebetransport erfolgt keine Ausleitung. Die Natura-2000-Verträglichkeitserklärung kommt auf dieser fachlichen Grundlage zum Ergebnis, dass erhebliche Beeinträchtigungen der Deutschen Tamariske und anderer Erhaltungsziele mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden können.

DETAILS ZU ANTWORT 7): Im Zuge der Projektierung wurde eine Natura 2000 Verträglichkeitserklärung erstellt, welche die Auswirkungen des Projektes auf alle Schutzgüter im Natura 2000 Gebiet untersucht. Diese kommt auf Basis hydrologischer Modellierungen und ökologischer Bewertungen zum Ergebnis, dass erhebliche Auswirkungen auf die Erhaltungsziele des Natura-2000-Gebietes ausgeschlossen werden können. Die Prüfung erfolgt entsprechend Art. 6 Abs. 3 FFH-RL und umfasst auch mögliche Auswirkungen im Zusammenwirken mit anderen bekannten Plänen und Projekten Dritter. 

Zur Deutschen Tamariske ist zunächst eine wesentliche Präzisierung notwendig: In der Ausleitungsstrecke des Namlosbaches wurde der Lebensraumtyp LRT 3230 – Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Myricaria germanica – nicht nachgewiesen. Entsprechende Vorkommen sind flussabwärts am dynamisch geprägten Lech dokumentiert und wurden im Rahmen der Natura 2000 Verträglichkeitserklärung berücksichtigt.

Die hydrologischen Modellierungen zeigen für den Lech oberhalb der Johannesbrücke (Pessimalstelle) eine Verringerung der Wasserführung von ca. 0,96 % bei NQt und maximal ca. 2,96 % beim sommerlichen Mittelwasser. Die Deutsche Tamariske ist insbesondere auf die natürliche Dynamik und regelmäßige Umlagerungsprozesse angewiesen. Bei Hochwasserereignissen mit hohem Geschiebetransport erfolgt keine Ausleitung im Namlosbach. Damit bleiben nach der vorliegenden fachlichen Beurteilung die für diese Lebensräume maßgeblichen Hochwasser-, Erosions- und Umlagerungsprozesse erhalten.

Die Natura 2000 Verträglichkeitserklärung kommt daher zum Ergebnis, dass erhebliche Beeinträchtigungen der Deutschen Tamariske sowie anderer Erhaltungsziele des Natura-2000-Gebietes mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden können. 

Unsere Meinung: Wir können der Antwort nicht entnehmen, dass der Prüfungsstandard gem. EuGH-Rechtsprechung zu Art. 6 Abs. 3 FFH-RL tatsächlich erfüllt wurde. Nämlich eine vollständige, präzise und endgültige wissenschaftliche Feststellung, die geeignet ist jeden vernünftigen wissenschaftlichen Zweifel hinsichtlich einer Beeinträchtigung auszuräumen.

Zu den erwähnten 0,96% siehe Faktencheck unter Aktuelles.

Auswirkung auf Flussdynamik und Geschiebehaushalt?

Frage der BI: Entzieht man dem Namlosbach sein Wasser, fehlt dieses auch flussabwärts im Lech, was die natürliche Flussdynamik und den Geschiebehaushalt beeinträchtigt. Wurden diese Auswirkungen untersucht und wenn ja, zu welchem Ergebnis kommen Ihre Gutachter konkret und mit welcher Begründung? Wurde dabei auch berücksichtigt, dass der geplante Coanda-Rechen zwar verhindern kann, dass Kies mechanisch in den Stollen gelangt, er aber nicht verhindern kann, dass eine Verringerung der Wasserführung die hydraulische Transportkapazität verändert?

Antwort EWR: Wasserführung, hydraulische Transportkapazität und Geschiebedynamik wurden untersucht. Bei den für den Geschiebetransport entscheidenden Hochwasserereignissen ist die Wasserfassung außer Betrieb. Bleiben solche natürlichen Ereignisse in trockenen Jahren aus, sind zwischen April und August fünf gezielt initiierte Hochwasserereignisse vorgesehen. Am Lech beträgt die modellierte Abflussreduktion nur ca. 0,96 bis maximal ca. 2,96 %. Die Untersuchungen kommen daher zum Ergebnis, dass die für die Wildflusslandschaft entscheidende Geschiebe- und Morphodynamik nicht beeinträchtigt wird.

DETAILS ZU ANTWORT 8): Entscheidend für die Geschiebedynamik sind insbesondere Hochwasserereignisse mit hoher Schleppkraft, weil diese maßgeblich zur Umlagerung und zum Weitertransport des Geschiebes beitragen. Bei Hochwasserereignissen mit hohem Geschiebetransport ist die Wasserfassung außer Betrieb . Damit bleibt gerade bei jenen Ereignissen, die für den Geschiebetransport und die natürliche Überflutungs-, Erosions- und Umlagerungsdynamik besonders relevant sind, die natürliche Abflussführung erhalten. Oberhalb der Wasserfassung ist der Namlosbach stark mit bestehenden Wildbachverbauungen verbaut. Der geplante Coanda-Rechen weist einen Stababstand von 0,6 mm auf. Mobilisiertes Geschiebe wird bei entsprechenden Hochwasserereignissen weitertransportiert. 

Auch die von Ihnen angesprochene hydraulische Transportkapazität wurde damit berücksichtigt. Für trockene Jahre, in denen im ersten Quartal ein Niederschlagsdefizit von 20 % gegenüber dem 50-jährigen Niederschlagsmittel vorliegt und größere natürliche Hochwasserereignisse ausbleiben, sind zwischen April und August fünf anthropogen initiierte Hochwasserereignisse vorgesehen (das bedeutet, die Wasserfassung wird außer Betrieb genommen). Dadurch wird eine weitgehend kontinuierliche Weitergabe des Geschiebes unterstützt.

Auch die Auswirkungen auf den Lech wurden hydrologisch modelliert. Die Abflussreduktion im untersuchten Lechabschnitt liegt abhängig vom Abflussszenario zwischen  0,96 % bei NQt und maximal  2,96 % bei sommerlicher Mittelwasserführung. Aufgrund der geringen relativen Abflussreduktion und der hohen natürlichen hydromorphologischen Dynamik sind nach der fachgutachterlichen Beurteilung Auswirkungen auf die abiotischen Standortbedingungen des Lechs vernachlässigbar. 

Die vorliegenden Untersuchungen kommen daher zum Ergebnis, dass die für die Wildflusslandschaft entscheidende Geschiebe- und Morphodynamik nicht beeinträchtigt wird. 

Unsere Meinung: Siehe Faktencheck unter Aktuelles.

Auswirkung auf Trinkwasser?

Frage der BI: Wurde untersucht, wie sich das fehlende Wasser des Namlosbaches auf die Trinkwassertiefbrunnen im Unterlauf auswirkt (z.B. Weißenbach)? Wenn ja, zu welchem Ergebnis kommen Ihre Gutachter konkret und mit welcher Begründung?

Antwort EWR: Einzelne Trinkwassertiefbrunnen wurden nicht gesondert untersucht. Hydrologisch modelliert wurden jedoch die Auswirkungen auf den Lech: Bei Niederwasser beträgt die projektbedingte Veränderung der Wasserführung ca. 0,96 % und ist damit wesentlich geringer als die natürlichen Schwankungen. Aufgrund dieser geringen Veränderung wurde kein eigenes Trinkwassergutachten erstellt.

DETAILS ZU ANTWORT 9) Es wurden Hydromodellierungen am Lech durchgeführt. Diese zeigen, dass sich die projektbedingte Veränderung der Wasserführung des Lechs bei Niederwasser im Bereich von  0,96 % bewegt. Die natürlichen Schwankungen der Wasserführung des Lechs sind somit wesentlich größer als diese projektbedingte Veränderung. 

Aufgrund dieser geringen projektbedingten Veränderung der Wasserführung des Lechs wurde kein eigenes Trinkwassergutachten erstellt. Eine spezifische Beurteilung einzelner Trinkwassertiefbrunnen war damit nicht Gegenstand der Projektuntersuchungen. 

Unsere Meinung: Frage beantwortet. Es wird hier bestätigt, dass die Auswirkung auf Trinkwasser nicht untersucht wurde. Zu den erwähnten 0,96% siehe Faktencheck unter Aktuelles.

Auswirkung auf Grundwasserbildung in Stanzach?

Frage BI: Wurde untersucht, wie sich die Ableitung des Namlosbaches auf die Grundwasserbildung in Stanzach auswirkt? Wenn ja, zu welchen Ergebnissen sind die von Ihnen bezahlten Gutachter konkret und mit welcher Begründung gekommen?

Antwort EWR: Eine erste Stellungnahme des BMLUK hält auf Grundlage der eingereichten Projektunterlagen fest, dass der Fachbereich Grundwasser durch das Vorhaben nicht betroffen ist. Das natürliche Niederwasser NQt in Stanzach liegt bei 354 l/s. Bei niedrigen Wasserführungen greift der vorgesehene Sockelbetrag und der Wassereinzug wird eingestellt, sodass die natürliche Niederwasserführung erhalten bleibt.

DETAILS ZU ANTWORT 10): Eine erste vorliegende Stellungnahme des Bundesministeriums für Land-Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) hält fest, dass auf Grundlage der eingereichten Projektunterlagen  der Fachbereich Grundwasser durch das Vorhaben nicht betroffen ist.

Für die Beurteilung relevant ist, dass durch die vorgesehenen Sockelbeträge an der Wasserfassung die natürliche Niederwasserführung des Namlosbaches in Stanzach nicht verändert wird. Das natürliche Niederwasser NQt liegt für den Beobachtungszeitraum 2001–2022 an der Pegelstelle Stanzach bei 354 l/s. Bei niedrigen Wasserführungen greifen die vorgesehenen Sockelbeträge und der Wassereinzug wird eingestellt. 

Wichtig ist dabei zu erwähnen:. Die an den Pegelmessstellen erhobenen Daten werden vom hydrologischen Dienst Tirol geprüft und sind über eHYD, den öffentlichen Zugang zu hydrographischen Daten Österreichs, transparent einsehbar. 

Unsere Meinung: Es wird hier bestätigt, dass die Auswirkung auf die Grundwasserbildung in Stanzach nicht untersucht wurde. Das erwähnte "natürliche Niederwasser NQt in Stanzach liegt bei 354 l/s" trat nur an einem einzigen Tag und zwar am 28.2.2009 auf. Künftig sollen diese Wasserstände zumindest im Winterhalbjahr die Regel sein.

Löschwasser für die Feuerwehr Stanzach?

Frage BI: Wurde geklärt, ob die Feuerwehr Stanzach bisher auf das Wasser des Namlosbaches zur Löschung von Bränden im Umkreis angewiesen war und wie sich die Ableitung darauf auswirkt?

Antwort EWR: Die Löschwasserversorgung wurde mit der Feuerwehr Stanzach besprochen. Primäre Löschwasserquelle ist das Hydrantensystem; zusätzlich kann weiterhin Wasser aus dem Namlosbach genutzt werden. Bei natürlichem Niederwasser von 354 l/s wird an der geplanten Fassung kein Wasser eingezogen und 100 % des Wassers bleiben im Bach. Rechnerisch entspricht diese Wassermenge rund 14 durchschnittlichen Feuerwehrpumpen mit jeweils 25 l/s. Aus Sicht der EWR ergibt sich daher keine Beeinträchtigung der Löschwasserversorgung.

DETAILS ZU ANTWORT 11) Ja. Diese Frage wurde mit der Feuerwehr Stanzach im Zuge der Beantwortung des Fragenkataloges besprochen. Die primäre Löschwasserentnahme der Feuerwehr erfolgt über das Hydrantensystem. Im Falle eines Brandes in der Nähe des Namlosbaches bzw. bei einem Wassermangel im Hydrantensystem kann zusätzlich auf Wasser aus dem Namlosbach zurückgegriffen werden. 

Auch diese Möglichkeit bleibt nach Umsetzung des Projekts bestehen. Das natürliche Niederwasser NQt liegt für den Beobachtungszeitraum 2001–2022 an der Pegelstelle Stanzach bei 354 l/s. Bei niedrigen Wasserführungen greifen wie beschrieben die vorgesehenen Sockelbeträge an der Wasserfassung und der Wassereinzug wird eingestellt (100 % Wasser im Bach). Gerade bei natürlichem Niederwasser wird daher kein Wasser mehr an der geplanten Fassung eingezogen und die natürliche Niederwasserführung in Stanzach bleibt erhalten. 

Zur Einordnung der Größenordnung: Rechnerisch entspricht das beim natürlichen Niederwasser verbleibende Wasserdargebot einer Wassermenge für 14 durchschnittliche Feuerwehrpumpen (25l/s pro Pumpe). 

Nach der Abstimmung mit der Feuerwehr und auf Basis der vorgesehenen Wasserführung ergibt sich damit aus unserer Sicht keine Beeinträchtigung der Löschwasserversorgung durch das Projekt. 

Unsere Meinung: Die Frage ist beantwortet. Unsere Sorge war unbegründet. Das freut uns.

Das erwähnte natürliche Niederwasser in Stanzach von 354 l/s trat nur an einem einzigen Tag und zwar am 28.2.2009 auf. Künftig sollen diese Wasserstände jedoch zumindest im Winterhalbjahr die Regel sein.

Welche weiteren Ausbaupläne am Lech und seinen Zubringern liegen in ihrer Schublade?

Frage der BI: Der WWF bezeichnet ihr Vorhaben als Tabubruch im Natura-2000-Gebiet (TT) und stellt in den Raum, dass im Falle einer Genehmigung weitere Kraftwerke kommen. Daher eine Frage zu ihren weiteren Ausbauplänen, speziell im Lechtal. Öffentlich wurde durch den Eigentümervertreter ja bereits der Höhenbach (Holzgau) erwähnt. Welche weiteren Ausbaupläne am Lech und seinen Zubringern liegen in ihrer Schublade?

Antwort EWR: Die EWR planen weder aktuell noch in Zukunft ein neues Kraftwerk am Lech. Die Nutzung von Seitenbächen zur Stromerzeugung ist hingegen seit über 100 Jahren Teil der regionalen Energieversorgung. Auch beim öffentlich genannten Höhenbach in Holzgau geht es nicht um ein neues Kraftwerk, sondern ausschließlich um die Modernisierung einer seit 1921 bestehenden Anlage.

DETAILS ZU ANTWORT 12) Grundsätzlich möchten wir festhalten: Die EWR planen weder aktuell noch in Zukunft ein neues Kraftwerk am Lech. Die Seitenbäche des Lechs sind allerdings seit Jahrzehnten Bestandteil der regionalen Energieversorgung. Die Menschen in der Region nutzen die heimischen Gewässer seit Generationen – früher unter anderem für Mühlen und Holzdrift, heute werden zahlreiche Seitenbäche von Gemeinden und Unternehmen zur Stromerzeugung genutzt. Diese Kraftwerke speisen in das öffentliche Stromnetz ein und sind teilweise auch inselfähig. 

Dazu zählen unter anderem:

  • KW Schretter Weißenbach

  • KW Vorderhornbach

  • KW Bschlabs

  • KW Boden

  • KW Bach

  • KW Kaisers, Gemeinde Kaisers

  • KW Platzbach, Gemeinde Gramais

  • KW Otterbach, Gemeinde Gramais

  • KW Elmen

  • KW Holzgau, 

Auch der öffentlich angesprochene Höhenbach in Holzgau ist kein neues Kraftwerksprojekt. Dort besteht bereits seit der Elektrifizierung von Holzgau im Jahr 1921 das Kraftwerk Holzgau. Die bestehende Kraftwerksanlage soll modernisiert werden. 

Unsere Meinung: Die Frage ist nur teilweise beantwortet. Es wird lediglich bestätigt, dass weder aktuell noch in Zukunft ein neues Kraftwerk am Lech geplant ist. Was ist jedoch mit den Seitenbächen? Ist der Namlosbach nur der Anfang?

Kraftwerkspläne Höhenbach in Holzgau?

Frage der BI: Was ist am Höhenbach genau geplant und wie weit fortgeschritten sind diese Pläne?

Antwort EWR: Am Höhenbach entsteht kein neues Kraftwerk. Das seit 1921 bestehende Kraftwerk Holzgau wird modernisiert: Das Krafthaus bleibt am bestehenden Standort, die Wasserfassung wird erneuert und die heute sichtbare Druckrohrleitung soll künftig im Weg verlaufen und damit nicht mehr sichtbar sein. Das Kraftwerk befindet sich derzeit im Wiederverleihungsverfahren.

DETAILS ZU ANTWORT 13) Beim Höhenbach handelt es sich nicht um ein neues Kraftwerksprojekt. Das Kraftwerk Holzgau besteht bereits seit der Elektrifizierung von Holzgau im Jahr 1921, also seit 105 Jahren. Geplant ist ausschließlich die Modernisierung dieser bestehenden Kraftwerksanlage. 

Dabei sollen bestehende Anlagenteile erneuert werden. Das Krafthaus bleibt am bestehenden Standort, die bestehende Wasserfassung wird erneuert und die derzeit sichtbare Druckrohrleitung soll im Sinne zur Verbesserung des Landschaftsbildes in den Weg verlegt und damit künftig nicht mehr sichtbar sein. 

Das Kraftwerk Holzgau befindet sich derzeit im Wiederverleihungsverfahren. Es geht damit um die Erneuerung einer seit mehr als 100 Jahren bestehenden Kraftwerksanlage und nicht um die Errichtung eines zusätzlichen Kraftwerks am Höhenbach.

Unsere Meinung: Frage ist beantwortet.

CO2-Emissionen durch die geplanten Baumaßnahmen?

Frage der BI: Die geplanten Baumaßnahmen stellen einen massiven Eingriff in die Natur dar (Straßenbau, Bau Kraftwerk Liegfeist, Stollenbau usw.). Wie hoch sind die dadurch entstehenden CO2-Emissionen konkret?

Antwort EWR: Auch der Bau der Anlage verursacht CO₂-Emissionen. Dem steht eine langfristige Einsparung von rund 21.000 Tonnen CO₂ pro Jahr gegenüber. Wasserkraft zählt mit rund 9 g CO₂-eq/kWh über direkte und vorgelagerte Emissionen zu den CO₂-ärmsten Formen der Stromerzeugung. Die baulichen Eingriffe werden zudem durch wenige neue Wege, einen unterirdischen Stollen, eine elektrisch betriebene Tunnelbohrmaschine und die ortsnahe Verwendung des Felsaushubs reduziert. Nach Fertigstellung der Anlage sind auch die meisten Anlagenteile nicht mehr sichtbar

DETAILS ZU ANTWORT 14) Für die Einordnung der Klimawirkung der Wasserkraft liegen aktuelle Vergleichsdaten des Umweltbundesamtes vor. Demnach verursacht Wasserkraft unter Berücksichtigung direkter und vorgelagerter Emissionen rund 9 g CO₂-eq/kWh. Zum Vergleich werden für Photovoltaik 40 g CO₂-eq/kWh, und für die österreichische Stromaufbringung insgesamt 152 g CO₂-eq/kWh ausgewiesen. Wasserkraft weist damit beispielsweise gegenüber Photovoltaik einen um mehr als den Faktor vier geringeren Emissionswert auf.

Zur Studie des Umweltbundesamtes: https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0989.pdf 

Für das konkrete Projekt steht dem die langfristige CO₂-Wirkung gegenüber: Durch die zusätzliche Erzeugung von ca. 25 GWh erneuerbarer und speicherbarer Energie pro Jahr werden nach den vorliegenden Berechnungen jährlich rund 21.000 Tonnen CO₂ eingespart. Wasserkraftanlagen weisen zudem eine sehr lange Lebensdauer auf. Bei einer rein rechnerischen Fortschreibung über eine Betriebsdauer von 100 Jahren entspricht dies einer CO₂-Einsparung von rund 2,1 Mio. Tonnen. 

Gleichzeitig wird bei der Planung darauf geachtet, die baulichen Eingriffe möglichst gering zu halten. Für das Projekt müssen nur wenige neue Wege errichtet werden. Ein wesentlicher Teil der Anlage verläuft mit dem Stollen unterirdisch, die Tunnelbohrmaschine läuft elektrisch. Der beim Stollenbau anfallende Felsaushub wird auf kurzem Weg im Liegfeisttal eingebaut und die beanspruchten Flächen werden anschließend wieder begrünt. 

Dass auch die Errichtung einer Wasserkraftanlage CO₂-Emissionen verursacht, steht außer Frage. Die verfügbaren Vergleichsdaten zeigen gleichzeitig, dass Wasserkraft über ihren Lebenszyklus zu den Stromerzeugungstechnologien mit sehr niedrigen CO₂-Emissionen zählt.   

Unsere Meinung: Die Frage ist nicht beantwortet. Wir hätten uns in etwa folgende Antwort erhofft "Durch die geplanten Baumaßnahmen würden xy Tonnen an CO2-Emissionen entstehen."