Was ist geplant?
Der regionale Energieanbieter hat im Dezember 2025 das Projekt zur Optimierung der Kraftwerkskette Plansee inklusive Ableitung des Namlosbaches zur Genehmigung beim Land Tirol eingereicht.

Dabei soll bis zu 80% des Namlosbaches über einen neu zu errichtenden Stollen zwei Täler weiter in den Rotlech-Stausee umgeleitet werden. Das Wasser des Namlosbaches soll dann 20 Kilometer flussabwärts - von der jetzigen Einmündung - wieder dem Lech zugeführt werden. Dies wohlwissend, dass der Eingriff mitten im Natura-2000 Gebiet stattfinden soll. Erwartet wird die zügige Genehmigung des Projektes. Die Umsetzung soll danach schnell vorangetrieben werden (Quelle: MeinBezirk 5.3.2026).

Das dann zu errichtende Kraftwerk Liegfeist (neu) soll 1774 kW Strom produzieren. Also wohl rund 1%-2% des Außerferner Strombedarfs abdecken.

Argumentiert wird unter anderem damit, dass das Wasser des Namlosbaches in der Kraftwerkskette Plansee achtmal genutzt werden könnte. Tatsächlich muss die EWR AG gmäß Nationalem Gewässerwirtschaftungsplan ab 2027 Restwasser in den Liegfeistbach, den Rotlech und den Archbach einspeisen.
Für uns ist offensichtlich, dass das Wasser des Namlosbaches in erster Linie die Verluste aus den künftigen Restwasserabgaben am Rotlech, Liegfeistbach und Archbach als "Bauernopfer" ausgleichen soll.

Damit nicht genug: Die EWR AG bestätigt zwar, dass sie am Lech keine Kraftwerksprojekte plant. Schließt jedoch nicht aus, an den Lech-Zubringern weitere Projekte umsetzen zu wollen.

Optimierungen an bestehenden Kraftwerksanlagen begrüßt unsere Initiative ausdrücklich. Die Ableitung des Namlosbaches lehnen wir ab.
Darüber hinaus: Die kolportierten 25 GWh/a Strom ließen sich mit Photovoltaik und Speichern auf bereits verbauten Flächen schneller, günstiger und ohne einen wertvollen Naturraum zu zerstören erzeugen.
EWR will 80% des Baches ableiten, oder 250 l/s an Restwasser laufen lassen.
Datenquelle für obige Grafik (blaue Linie und NQt am 27.1.2021): Hydro Tirol, Messstelle Stanzach
Die Grafik vermittelt am Beispiel des Jahres 2022 einen Eindruck davon, wie viel Wasser künftig während des Winterhalbjahres durch Stanzach fließen soll (rote Linie). Die blaue Linie zeigt zum Vergleich den heutigen Zustand.
Durchschnittlich würden nur noch etwa 30 % des Wassers durch Stanzach fließen; rund 70 % würden selbst während der winterlichen Niederwasserphase abgeleitet. Wer auf der Brücke in Stanzach steht, würde in der Regel nur noch etwa 250 Liter pro Sekunde (l/s) an Restwasser sehen, statt wie jetzt 1.000-1.500 l/s.
Sofern unsere Annahmen stimmen, würde von Okt.-März an 150 von 182 Tagen ein Rinnsal mit 250-500 Liter pro Sekunde (l/s) durch Stanzach laufen.
Ohne Ableitung würde die geringe Wassermenge von 250-500 l/s an keinem einzigen Tag auftreten.
Im April und Septmber wäre die Restwassermenge 300l/s, während der üblichen Schneeschmelze von Mai-Juli würde nach der Ableitungsstelle eine Mindestmenge von 600 l/s Restwasser im Bach bleiben.
Die folgende Grafik zeigt, wie oft 80% des ankommenden Wassers abgeleitet würden!
Ergebnis:
An 182 Tagen würden ca. 80% des ankommenden Wassers abgeleitet.
An 1 Tag würde wegen Hochwasser nichts abgeleitet (* 18.7.2021)
Die EWR Aussage: "Ist der natürliche Zufluss zur Wasserfassung geringer als der jeweils vorgesehene Sockelbetrag, wird an der Wasserfassung kein Wasser eingezogen und das gesamte ankommende Wasser verbleibt im Namlosbach." kommt im Beispieljahr 2021 an keinem einzigen Tag zur Anwendung.
Die Kommunikation des EWR kann bestenfalls als irreführend oder als Schönfärberei interpretiert werden. Hier ein Beispiel aus den uns mitgeteilten Antworten: "An der geplanten Wasserfassung ist die Entnahme dynamisch vom tatsächlichen Zufluss abhängig und somit jede Stunde unterschiedlich: Der eingereichte Dotierwasservorschlag sieht vor, dass jahresdurchgängig mindestens 20 % der ankommenden Wassermenge am Standort Wasserfassung im Namlosbach verbleiben. Zusätzlich gelten jahreszeitlich abhängige Sockelbeträge an der Wasserfassung: mindestens 250 l/s von Oktober bis März, 300 l/s im April, August und September sowie 600 l/s von Mai bis Juli. Ist der natürliche Zufluss zur Wasserfassung geringer als der jeweils vorgesehene Sockelbetrag, wird an der Wasserfassung kein Wasser eingezogen und das gesamte ankommende Wasser verbleibt im Namlosbach. ... Die Restwassermenge wird damit an den natürlichen jährlichen Abfluss des Namlosbaches angepasst. Um die natürliche Dynamik des Namlosbaches aufrechtzuerhalten, verbleiben zudem auch gewässerbettbildende Hochwässer im Namlosbach."
Annahme zu obigen Grafiken:
Die aus dem Großraum Innsbruck stammenden Gutachter der EWR AG rechnen offensichtlich auf Basis eines theoretischen Schreibtischmodells wie folgt: Das Einzugsgebiet unterhalb der geplanten Entnahmestelle macht 31% des gesamten Einzugsgebietes aus. Dies bedeutet lt. EWR, dass dem Namlosbach 31% der Abflussmenge unterhalb der geplanten Entnahmestelle zufließen und somit oberhalb der Entnahmestelle lediglich rund 69% der Abflussmenge für die Ableitung des Baches zur Verfügung stehen. So wurde es seitens der EWR Führung zuletzt auch im Rahmen der Bürgerinformation in Stanzach am 20.10.2026 und bereits 2025 im Gemeinderat in Stanzach kommunziert.
Diese EWR-69:31-Regel halten wir in Bezug auf die Abflussmengen für nicht zutreffend!
Denn, wir ziehen unsere Erfahrung aus dem Leben am und mit dem Namlosbach heran und haben zudem mehrere Messungen durchgeführt. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Zuflüsse unterhalb der Entnahmestelle während der winterlichen Niederwasserperiode mengenmäßig in etwa jenen Wasserverlusten entsprechen, die auf den folgenden sieben Flusskilometern durch Versickerung und Verdunstung entstehen. Übers Jahr gesehen fließen dem Namlosbach unterhalb der geplanten Entnahmestelle unserer Einschätzung nach weniger als 10% zu.
Unsere 90:10-Hypothese lässt sich transparent und objektiv überprüfen. Voraussetzung dafür ist, dass die EWR AG die vollständigen Messdaten der neuen Messstation oberhalb der geplanten Entnahmestelle – vom Beginn der Messungen bis zum aktuellen Zeitpunkt – sowie die Messdaten der Station in Stanzach für denselben Zeitraum öffentlich zugänglich macht.*
Unsere Annahme passen wir gerne an, sofern die EWR AG nachvollziehbar darlegen kann, dass dem Namlosbach unterhalb der geplanten Entnahmestelle tatsächlich zumindest 31% der Abflussmenge zufließen.
Sollte sich unsere Einschätzung hingegen tendenziell bestätigen, würde dies bedeuten, dass
- das EWR gemäss seinen Entnahmeregeln wesentlich mehr Wasser ableiten würde, als bislang kommuniziert
- der Namlosbach zu einem Restwasserbach verkommen würde und durch Stanzach oft nur ein Rinnssal läuft
- dem Lech in der Ausleitungsstrecke mehr Wasser fehlen würde als vom EWR behauptet
- das EWR die Öffentlichkeit in die Irre geführt hätte, obwohl sie vermutlich über (Probe-)Messungen verfügen, die schön längst zeigen, dass das theoretische Schreibtischmodell nicht der Realität entspricht.
Um die tatsächlichen Auswirkungen der geplanten Wasserentnahme sachlich und objektiv beurteilen zu können, fordert die Bürgerinitiative daher die EWR AG auf, sämtliche relevanten Messdaten, die zugrunde liegenden Berechnungsgrundlagen sowie allfällige Probemessungen an den Zubringern unterhalb der geplanten Entnahmestelle vollständig und transparent offenzulegen.
Eine fundierte und sachliche Diskussion setzt eine vollständige, nachvollziehbare und öffentlich zugängliche Datengrundlage voraus.
* Hinweis: Über Hydro Tirol sind derzeit lediglich die Messdaten der Station in Stanzach und auch diese nur bis zum 31.12.2023 öffentlich abrufbar.
Im Bild der Karbach. Er ist der größte Zubringer unterhalb der geplanten Entnahmestelle. In Trockenphasen nur ein Rinnsal ohne Wirkung auf die Wassermenge im Namlosbach.
Bach aus dem Schwarzbrunnental, ebenfalls einer der drei größten Zubringer. Im Oktober 2026 nur ein Rinnsal.
Der dritte im Bunde der größten Zubringer: Der Bach aus dem Dürrekopfgraben.
Die anderen Zubringer unterhalb der geplanten Entnahmestelle laufen so gut wie trocken. Insgesamt laufen dem Namlosbach unterhalb der Entnahmestelle offensichtlich deutlich weniger als 10% zu.
In diesem Bereich unmittelbar unterhalb der geplanten Entnahmestelle sollen künftig nur noch 20% Restwasser fließen (im Winterhalbjahr zumindest 250 l/s).
Namlosbach kurz vor Austritt aus der Schlucht: Der Namlosbach ist ein wichtiger Geschiebelieferant für den Lech. Wie soll er nach Ableitung diese Geschiebemassen transportieren?
Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG)
Das im Juni 2026 verabschiedete „Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG)“ sieht vor, dass dem Ausbau der Wasserkraft ein übergeordnetes öffentliches Interesse zugesprochen wird – das erhöht den Druck auf Österreichs Flüsse: Die behördliche Interessensabwägung wird künftig den Ausbau der Wasserkraftwerke wohl höher bewerten als den Schutz der Gewässer. Der Entwurf der Koalition hätte selbst in den letzten verbliebenen 14 Prozent der ökologisch sehr guten Fließgewässerstrecken zusätzliche Wasserkraftprojekte erleichtert, etwa durch ein automatisches übergeordnetes öffentliches Interesse und vereinfachte Verfahren für kleine Anlagen mit geringem energiewirtschaftlichem Nutzen, aber hohem Naturverbrauch. Durch die Verhandlungen konnten jedoch die ökologisch sehr guten letzten Flussjuwelen - so wie der Namlosbach - von diesem übergeordneten Interesse ausgenommen werden. Auf den Namlosbach ist das EABG damit wohl nich anwendbar.
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