Was ist geplant?
Der regionale Energieanbieter hat im Dezember 2025 das Projekt zur Optimierung der Kraftwerkskette Plansee inklusive Ableitung des Namlosbaches zur Genehmigung beim Land Tirol eingereicht.

Dabei soll bis zu 80% des Namlosbaches über einen neu zu errichtenden Stollen zwei Täler weiter in den Rotlech-Stausee umgeleitet werden (Quelle: WWF). Das Wasser des Namlosbaches soll dann 20 Kilometer flussabwärts - von der jetzigen Einmündung - wieder dem Lech zugeführt werden. Dies wohlwissend, dass der Eingriff mitten im Natura-2000 Gebiet stattfinden soll. Erwartet wird die zügige Genehmigung des Projektes. Die Umsetzung soll danach schnell vorangetrieben werden.

Das dann zu errichtende Kraftwerk Liegfeist (neu) soll 1774 kW Strom produzieren. Also wohl rund 1%-2% des Außerferner Strombedarfs abdecken.

Optimierungen an bestehenden Kraftwerksanlagen begrüßt unsere Initiative ausdrücklich. Die Ableitung des Namlosbaches lehnen wir ab.
Darüber hinaus: Die kolportierten 25 GWh/a Strom liesen sich mit Photovoltaik und Speichern auf bereits verbauten Flächen schneller, günstiger und ohne einen wertvollen Naturraum zu zerstören erzeugen.

Argumentiert wird unter anderem damit, dass das Wasser des Namlosbaches in der Kraftwerkskette Plansee achtmal genutzt werden könnte. Nicht erwähnt wird jedoch, dass das Wasser des Namlosbaches durch den Abfluss über den Lech bereits jetzt fünfmal genutzt wird (KW Höfen, Reutte I und II, Kniepass, Weißhaus). Der Grenznutzen verringert sich also.
Zudem ist offensichtlich, dass das Wasser des Namlosbaches in erster Linie die Verluste aus den künftigen Restwasserabgaben am Rotlech, Liegfeistbach und Archbach als "Bauernopfer" ausgleichen soll.

Damit nicht genug: Laut Eigentümervertreter schielt der regionale Energieanbieter mit dem Höhenbach in Holzgau schon ganz konkret nach dem nächsten Bach im Lechtal.
In diesem Bereich unmittelbar unterhalb der geplanten Entnahmestelle sollen künftig nur noch 20% Restwasser fließen.
Was läuft im Hintergrund?
Die Landesabteilung Wasserwirtschaft hat entschieden, den Tiroler Lech nicht in die Liste der Gewässer gemäß EU-Wiederherstellungsverordnung aufzunehmen (Abgabetermin 1.9.2026). Das bedeutet vermutlich den Verzicht auf hohe EU-Förderungen. Zuerst wurden also Steuergelder in zweistelliger Millionenhöhe in den Aufbau und den Erhalt des Natura-2000 Gebietes Tiroler Lech investiert und nun soll dessen Schutzstatus aufgeweicht oder zumindest nicht gefestigt werden.
Zudem sieht das im Sommer 2026 verabschiedete „Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG)“ vor, dass dem Ausbau der Wasserkraft ein übergeordnetes öffentliches Interesse zugesprochen wird – das erhöht den Druck auf Österreichs Flüsse: Die behördliche Interessensabwägung wird künftig den Ausbau der Wasserkraftwerke wohl höher bewerten als den Schutz der Gewässer. Der Entwurf der Koalition hätte selbst in den letzten verbliebenen 14 Prozent der ökologisch sehr guten Fließgewässerstrecken zusätzliche Wasserkraftprojekte erleichtert, etwa durch ein automatisches übergeordnetes öffentliches Interesse und vereinfachte Verfahren für kleine Anlagen mit geringem energiewirtschaftlichem Nutzen, aber hohem Naturverbrauch. Durch die Verhandlungen konnten immerhin diese ökologisch sehr guten letzten Flussjuwelen - so wie der Namlosbach - von diesem übergeordneten Interesse ausgenommen werden.
Alles zusammen schlechte Entwicklungen für den Schutz unserer Gewässer!
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